Ehemals Scharnweberstraße 74,

heute Scharnweberstraße 80

Gerade hatte die parallel zur ehemaligen Dorfstraße verlaufende Scharnweberstraße ihre erste Pflaste­rung erhalten, und die neu gepflanzten Linden­bäume standen in frischer Blüte, da eröffnete Hauseigentümer Reinhold Lerche 1895/96 ein Lokalunter dem Namen Wirtshaus Rolandseck. Es war ein typisches Familien- und Vereinslokal mit Speisenangebot, regelmäßig stattfindenden Ver­einstreffen und den beliebten Bockbier-Anstichen der Brauerei Borussia mit BockwursS ulet- und Sauer­kohlessen. Auch das sogenannte „Ausspielen von Gänsen am Billard" erfreute die Gäste hier sehr, und jeden Morgen ab 8 Uhr gab es frische Leber- und Blutwurst zu kaufen.Nach 12 Jahren Gaststättenbetrieb in eigener Regie verpachtete Lerche sein Lokal an Ludwig Mercier, einen bis dahin im Restaurant Waldhaus angestellten, unter dem Namen Fritz sehr beliebten Kellner. Sowohl die gute Küche, „Rollmops mit Schleppe" (Remoulade) war wohl das Lieblingsgericht der Gäste, als auch Merciers Charme und sein Engagement als Vorstandsmitglied des „Friedrichshagener Gastwirts­vereins" brachten ihm und seinem Lokal einen guten Ruf. Und bald schon hieß es allerorts: „Also dann, wieder bei Mercier!". Ludwig Mercier betrieb sein Rolandseck fast 29 Jahre lang. Zahlreiche Um- und Ausbauten veranlasste er in dieser Zeit. So beantragte er 1908 beim „wohllöblichen Amts- und Gemeindevorstand" eine Erlaubniserteilung, die offene Veranda vor seinem Lokal um 1,10 m zur Straßenmitte hin verbreitern zu dürfen, 1911 organisierte er den Anbau einer „Restaurationshalle" am linken Giebel des Hauses und 1925 ließ er an der Ecke Friedrichstraße/ Drachholzstraße eine „leuchtende Reklamesäule" für sein Wirtshaus errichten. Merciers plötzlicher Tod im Jahre 1935 beendete seine schwungvolle Arbeit und Witwe Elise Mercier übernahm das Restaurant.a

Alma Krüger hieß die neue Pächterin ab 1938. Sie war eine resolute Frau! Ge­meinsam mit ihrem Ehemann Bernhard Krüger bewirtete sie viele Jahrzehnte ihre Gäste, auch als das Rolandseck zu Beginn der 1960er Jahre eine HO-Kommissionsgaststätte wurde. Einige weitere Wirte folgten, bis für das Restaurant ab 1990 eine eher wechselvolle Geschichte begann. Erst zog ein indischer Gastronom in das Lokal, dann gab es italienische Speisen im Angebot, später offerierte man Iri­sche Musik zu Guinness, Kilkenny und Irish Whiskey. Seit über 7 Jahren führt nun Gastwirt Sylvio Groß die Tradition der erfolg­reichen Rolandseck-Wirte weiter fort. Gemeinsam mit Silvio Pannek eröff­nete er 2004 das mit viel Liebe zum Detail im Gründerzeit Stil eingerich­tete Restaurant Wirtshaus Rolands Eck. Mit seinem ständig wechselnden, hervorragenden Speisenangebot, dem Kleintierzoo im Biergarten, zahlreichen Veranstaltungen und regelmäßig statt­findenden Vereinstreffen sowie seiner stetig wachsenden Kameliensamm­lung findet er großen Zuspruch - nicht nur bei Friedrichshagener Gästen.

 

Quelle, Bilder und Text: Aribert Giesche und Katrin Brandel

"Lokaltermin in Friedrichshagen"

Von Gasthäusern und Kneipen am Rande Berlins.

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